Anteil eutergesunder Tiere

Der Anteil der eutergesunden Tiere in der Herde ist ein Gradmesser für die Eutergesundheit des Betriebs. Die Kennzahl eignet sich sehr gut, um schnell zu beurteilen, ob die Eutergesundheit grundsätzlich in Ordnung ist, oder ob sie in den besonderen Fokus des Betriebsleiters rücken sollte. In diesem Modul erfahren Sie, wie der Wert berechnet wird und von welchen Faktoren er abhängig ist.

„Diese Kennzahl stellt am besten dar, worum es bei allen Maßnahmen zur Eutergesundheit geht. Sie ist auch bei kurzfristigen Veränderungen stabil und erlaubt eine nüchterne Betrachtung des Ist-Zustandes. Ist der Anteil gesunder Tiere im Zielbereich, dann ist grundsätzlich alles in Ordnung, sinkt er aber, muss gehandelt werden.“

Dr. Joachim Kleen, Fachtierarzt für Rinder und Berater bei Cow Consult in Uplengen-Jübberde (Niedersachsen)

Sind die laktierenden Tiere eutergesund?

Das Milch einer gesunden Kuh enthält nicht mehr als 100.000 Zellen/ml.

Die kontinuierliche Überwachung der Eutergesundheit auf Herdenebene beginnt mit der Beschreibung des Ist-Zustandes und der zentralen Frage, wie viele Kühe im Bestand eutergesund sind. Dafür muss jedoch zuerst festgelegt werden, was ein gesundes Euter ausmacht: Der Gehalt an somatischen Zellen in der Milch ist der bedeutendste Entzündungsparameter des Euters. Ein Kuheuter mit einem Zellgehalt von ≤ 100.000 Zellen/ml im Gesamtgemelk gilt als gesund.

Bei höheren Zellzahlwerten geht die normale zelluläre Abwehr in eine entzündliche Reaktion (Mastitis) über und die Leistung kann bereits reduziert sein. Die kontinuierliche Überwachung des Anteils der eutergesunden Tiere in einer Herde ermöglicht die frühzeitige Erkennung von vermehrten Neuinfektionen. Außerdem können ergriffene Maßnahmen zur Behandlung bzw. zur Verbesserung der Eutergesundheit anhand der Kennzahl kontrolliert werden.

Wie wird der Anteil der eutergesunden Tiere berechnet?

Der Anteil der eutergesunden Tiere wird monatlich unabhängig von der Vorgeschichte der Kühe bestimmt. Alle laktierenden Tiere in der aktuellen MLP werden anhand der Zellzahl  in Tiere mit gesunder bzw. gestörter Eutergesundheit eingeteilt und dann ins Verhältnis zueinander gesetzt:

Der Anteil der eutergesunden Tiere einer Herde liegt in Deutschland durchschnittlich bei über 50 %, gute Betriebe erreichen hier über 60 %. Wenn der Anteil zu niedrig ist oder sinkt, ergeben sich zwei wesentliche Hinweise für das Management: Maßnahmen, die zur Ausheilung der Tiere durchgeführt werden, greifen nicht oder/und das Neuinfektionsrisiko ist zu hoch.

Gründe für ein erhöhtes Neuinfektionsrisiko

Wenn der Anteil eutergesunder Tiere in der Herde sinkt, bedeutet dies, dass mehr Tiere eine Zellzahl von über 100.000 Zellen/ml als zuvor aufweisen, bzw. sich Tiere neu infiziert haben. Dies kann verschiedene Gründe haben:

  • Managementfehler
    Eine gute Stallhygiene ist ausschlaggebend für eutergesunde Tiere. Fehler in der Tierhaltung können die Neuinfektion mit umweltassoziierten Mastitiserregern (z. B. coliforme Bakterien, Sc. uberis) begünstigen.
    Dazu gehören zum Beispiel:
Eine gute Stallhygiene ist ausschlaggebend für die Eutergesundheit.
    • Überbelegung
    • suboptimale Stallhygiene
    • geringer Kuhkomfort
    • eine mangelhafte Haltung der Trockensteher: Die Trockenperiode hat einen starken Einfluss auf die Folgelaktation.
    • unzureichende Melkhygiene und nicht optimal eingestellte Melktechnik: Bei Fehlern in der Melkhygiene können während des Melkprozesses kuh-assoziierte Mastitiserreger (z. B. S. aureus) von Kuh zu Kuh übertragen werden. Der Zitzenkanalverschluss spielt eine entscheidende Rolle für eine funktionierende lokale Erregerabwehr. Es ist wichtig, akute und chronische Zitzenkonditionsstörungen durch eine korrekte Melktechnik zu verhindern (siehe auch Neuinfektionsrate in der Laktation).
  • Fütterungsfehler
    Eine Schwächung des Immunsystems begünstigt Mastitiden. Eine stabile Eutergesundheit setzt  eine bedarfsgerechte Ration mit ausreichender Versorgung mit Mineralstoffen und Vitaminen voraus.
  • Chronisch euterkranke Tiere
    Chronisch infizierte Tiere stellen einen Ansteckungsherd für die gesamte Herde dar. Ein sinkender Anteil eutergesunder Tiere in der Herde kann also auch darauf zurückzuführen sein. Mehr über chronisch euterkranke Tiere lesen Sie hier.