Neuinfektionsrate in der Laktation

Für ein gutes Eutergesundheitsmanagement ist es entscheidend, die Infektionsdynamik innerhalb einer Herde im Blick zu behalten. In diesem Modul erfahren Sie, wie die Kennzahl „Neuinfektionsrate in der Laktation“ für das Monitoring genutzt werden kann.

 

„Die Neuinfektionsrate in der Laktation spiegelt die aktuelle Entwicklung in der Eutergesundheit wieder.  Veränderungen können zeitnah Ursachen aufgespürt und abgestellt werden. Konkret sind Veränderungen im Stallmanagement, in der Fütterung und der Hygienesituation zu beachten. Auch klimatechnische oder jahreszeitliche Einflüsse sind zu überprüfen.”

Andreas Pelzer, Leiter des Sachbereiches Rinderhaltung im Versuchs- und Bildungszentrum
Landwirtschaft Haus Düsse

Was ist die Neuinfektionsrate in der Laktation?

Ziel eines jeden Betriebsleiters ist es, seine Kühe vor Neuinfektionen des Euters zu schützen. Anhand der Kennzahl „Neuinfektionsrate in der Laktation“ (NIR) lässt sich überprüfen, ob dieses Ziel erreicht wird. Sie gibt den Anteil an Kühen an, die im Probemelken des Vormonats einen Zellgehalt von 100.000 Zellen/ml Milch hatten und im aktuellen Probemelken mit der Zellzahl über dem Schwellenwert von 100.000 Zellen/ml Milch liegen:

Was ist zu tun bei einer hohen Neuinfektionsrate?

Die Fütterung hat großen Einfluss auf die Anfälligkeit für Eutererkrankungen.

Steigt die Zellzahl vieler Tiere zwischen zwei aufeinander folgenden MLP über 100.000 Zellen/ml, muss nach den Ursachen gesucht werden. Häufig sind diese im Bereich der Boxenpflege und der allgemeinen Aufstallungshygiene zu finden.

Auch die Zitzenkondition der Tiere und die Qualität der Melkarbeit sowie -hygiene sind wichtige Stellschrauben, letztere vor allem bei Problemen mit kuhassozierten Erregern. Die leistungs- und wiederkäuergerechte Fütterung hat wesentlichen Einfluss auf das Immunsystem und somit auf die Anfälligkeit für Euterinfektionen.

Im Kennzahlenhelfer am Ende dieses Moduls erhalten Sie Hinweise, welche Stellschrauben konkret auf Ihrem Betrieb zu einer Verbesserung der Neuinfektionsrate führen können. Probieren Sie es einfach aus!

Berechnung nach Laktations- und Kalendermonaten

Hohe Neuinfektionsraten können entweder akut oder längerfristig in bestimmten Laktationsstadien auftreten. Daher wird die Neuinfektionsrate sowohl monatlich als auch nach Laktationstagen berechnet. So kann zum Beispiel festgestellt werden, ob eine aktuelle Veränderung auf dem Betrieb, beispielsweise eine neue Ration, für den Anstieg verantwortlich ist. Zum anderen kann überprüft werden, ob erhöhte Zellzahlen vermehrt in einzelnen Gruppen auftreten. Ist die Neuinfektionsrate besonders in der Frühlaktation hoch, deutet das auf postpartale Stoffwechselprobleme (z. B. (sub-)klinische Ketosen) hin. Ab der Laktationsmitte sind vermehrt Zitzenkonditionsstörungen für Neuinfektionen verantwortlich (siehe Merkblatt „Was sind Zitzenkonditionsstörungen?“).

„Die Kennzahl gibt mir eine Übersicht, wann genau die Ursache der Eutergesundheitsprobleme aufgetreten ist und wie lange sie angehalten hat. Für mich bedeutet ein niedriger Wert, dass ich keine wesentlichen Änderungen im Bereich Haltung, Fütterung und Melken empfehlen muss, sondern die Ursache einer erhöhten Zellzahl vermutlich in einer inkonsequenten Sanierung liegt.“

Alois Rehrl, Melkberater beim Landeskuratorium der Erzeugerringe für tierische Veredelung in Bayern e.V.

Umsetzung in der Praxis

Auf dem Betrieb von Florian Bausch war die Neuinfektionsrate in der Laktation überdurchschnittlich hoch. Gemeinsam mit Dr. Hans-Jürgen Seeger vom Eutergesundheitsdienst Baden-Württemberg ist er auf die Suche nach den Ursachen gegangen und konnte die Neuinfektionen langfristig senken. Im Video sehen Sie, wie die beiden dabei vorgegangen sind.

Fazit

Eutergesundheitsprobleme in der Laktation bedeuten neben der Auswirkung auf das Tierwohl auch einen hohen finanziellen Verlust für den Betrieb. Denn bereits bei erhöhten Zellzahlen ohne klinische Symptome einer Mastitis ist die Milchleistung reduziert. Mit der Kennzahl zur Neuinfektionsrate werden Schwachstellen aufgedeckt und konkrete Maßnahmen können eingeleitet werden. Zudem lässt sich der Erfolg der Verbesserungen direkt anhand der Kennzahl kontrollieren.